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Donnerstag, 10.03.2011, 14:54
Die Bestsellerautorin Sabine Kügler hat von ihrem fünften bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr mit ihren Eltern und Geschwistern in Papua Neuguinea beim Stamm der Fayu, einem Eingeborenenstamm, gelebt. Ihre Eltern waren Sprachforscher und Missionare, so zu lesen in Sabine Küglers erstem Buch "Dschungelkind", dem noch zwei Bücher zu ihrer bunten Lebensgeschichte folgten: "Ruf des Dschungels" und "Jägerin und Gejagte". Nun kommt der Bestseller „Dschungelkind“ ins Kino, Kinostart 17.2.2011. Anlässlich dazu entstand folgendes Interview:

Deine Gestik und Mimik sind sie eher durch das Leben mit den Fayu geprägt oder
mittlerweilen europäisch geworden?

Ich würde sagen beides.

Wie vermischen sich bei Dir die Gepflogenheiten bei den Fayu und die hier in Europa?

Die vermischen sich nicht, und das ist auch sehr bewusst so. Wenn man im Urwald überleben will, muss man bestimmte Fähigkeiten haben. Und wenn man hier ist, muss man sich hier anpassen.

Gibt es mehr körperliche Berührungen bei den Fayu als bei uns?

Ja, es gibt definitiv mehr körperliche Berührungen, und die Menschen fassen sich auch viel mehr an. Generell die papuanische Gesellschaft ist eine sehr warmherzige Gesellschaft. Frauen unter Frauen und Männer unter Männern haben viel mehr körperliche Berührungen als hier, und besonders bei Kindern ist das ganz stark.

Drücken die Fayu ihre Emotionen stärker und "besser" aus als wir?

Ja, die Fayu können ihre Emotionen viel, viel besser ausdrücken als wir. Für uns würde das sehr übertrieben aussehen, für sie ist das normal.

Worin unterscheidet sich die Wahrnehmung der Fayu zu unserer Wahrnehmung?

Die Fayu sind eine Gesellschaft, die sehr auf das Innere konzentriert ist. Wenn bei den Fayu jemand einen Schock erlebt oder traurig ist, dann sind sofort alle da, trösten und helfen. Wir im westen sind eine Gesellschaft, die viel mehr auf Äußerlichkeiten konzentriert ist.
Ich kann das natürlich nicht 100%ig sagen, aber die Denkweise der Fayu ist strukturierter. Alles ist schwarz oder weiß, gut oder böse. Es gibt nichts dazwischen. Man ist Freund oder Feind. Für die Fayu ist es überhaupt nicht verständlich, dass es eine andere Kultur gibt als die ihre. Deshalb erwarten sie auch, wenn man dort ist, dass man sich ihnen anpasst. Wenn man in Kulturen hinein geht, die man nicht kennt, entstehen Missverständnisse. Wenn man Fehler macht und dadurch die Menschen sehr beleidigt, kann das sehr gefährlich werden.
Ich glaub, wir Europäer versuchen immer alles zu analysieren und alles zu verstehen. Das europäische Wissen generell ist einerseits natürlich viel größer als das der Fayu. Aber andererseits haben die Fayu ein Wissen über den Urwald, da kommen wir nie im Leben dran. Das Leben hier in Europa läuft so schnell, dass wir nicht mehr über Kleinigkeiten nachdenken. Wir haben so viele Eindrücke, die auf uns einströmen, und so viel, was unser Gehirn verarbeiten muss. Es war für mich anfangs sehr schwierig, damit klarzukommen.

Worin unterscheidet sich deine optische und akustische Wahrnehmung von der des Europäers?

Ich hatte eine viel stärkere Wahrnehmung als ich hier her kam. Wenn man im Urwald lebtt, entwickelt man bestimmte Fähigkeiten, Athmosphären oder Warnsignale zu unterscheiden. Man hört zum Beispiel, wenn die Tiere ganz ruhig werden. Wenn der Laut bestimmter Insekten fehlte, wussten wir, OK, es kommt eine überschwemmung.
Als ich hier her kam, war das für mich ganz schwierig, weil auch hier alle meine Fühler draußen waren und ich lauter Signale bekommen habe, die ich nicht einordnen konnte. Wenn ich jetzt hier bin, bin ich mittlerweilen nicht mehr so sensibel wie am Anfang.

Wie haben sich die Signale der Europäer für dich ausgedrückt?

Ich habe hier die Aggressivität der Menschen sehr, sehr deutlich gespürt. Die Stimmungen anderer Menschen sind etwas, was ich bis heute noch sehr stark wahrnehme. Der Gehörsinn ist ganz wichtig im Urwald, dadurch war auch mein Gehör besonders stark ausgeprägt. Die Eingeborenen haben natürlich auch einen hervorragenden Geruchssinn. Bei ihnen ist das sehen, das hören und das spüren gleich wichtig, während hier im westen das Sehen viel mehr im Vordergrund steht. Ich habe gelernt, mit meinen Sinnen viel mehr zu machen als die Menschen hier, die im Grunde genommen ihre geschärften Sinne gar nicht brauchen. Dafür aber haben sie Fähigkeiten, die ich nicht habe. Das merke ich besonders bei meinen Kindern. Wenn ich über die Straße gehen möchte und es kommt ein Auto, rechnet das Gehirn meiner älteren Tochter innerhalb von Sekunden aus, ohne dass es ihr bewusst ist, wie schnell es kommt und ob sie genug Zeit hat, die Straße zu überqueren. Eine ganz einfache Sache, für mich aber schwierig. Ich stehe da und zögere, bis das Auto mir zu nahe kommt und ich erst recht stehen bleiben muss.

Ist das jetzt immer noch so?

Ja, Das hab ich immer noch, aber es ist besser geworden.

Wie nimmst du am meisten wahr?

Wie kann ich das am besten beschreiben? Das hast du auch. Nur mit dem Unterschied, dass du nicht weißt, dass du's hast. Das ist wie eine Art Welle. Das merkt man zum Beispiel, wenn jemand schlecht gelaunt ist. Dann hat er 'ne komplett andere Ausstrahlung als wenn er glücklich ist.

Doch, das spür ich natürlich auch.

Genau. Und dieses Gespür haben viele Menschen hier nicht. Bei ihnen ist es nicht mehr so ausgeprägt, weil sie's auch nicht zum Überleben brauchen. Wenn man einen Schritt weiter geht, Bäume haben eine Athmosphäre, das Wetter hat eine Athmosphäre, alles hat eine Athmosphäre.

Hast du intensivere Träume in der Nacht?

Ich merke, dass ich vieles in meinen Träumen verarbeite. Ich glaube, das macht jeder Mensch. Wenn mich irgendwas belastet, träum' ich meistens davon. In den letzten Jahren, wo mein Bewusstsein stärker geworden ist, sind auch meine Träume intensiver geworden. Ich glaub nicht, dass das damit zu tun hat, wo man groß wird, sondern es hat damit zu tun, wie man sich mit sich selbst auseinandersetzt. Und seit ich mich intensiv mit meiner Vergangenheit auseinandergesetzt habe, sind meine Träume auch viel intensiver geworden.

Wie hat sichdein Kleidungsstil entwickelt und wie zum Beispil dein Musikstil?

Eine bestimmte Stilrichtung war für mich eigentlich nicht so wichtig, bis ich nach Deutschland kam. Als ich immer wieder in der Öffentlichkeit stand, hab ich angefangen, mehr Wert darauf zu legen, wie ich mich kleide, denn es ist einfach Teil dieser Gesellschaft, dass die Menschen darauf achten, was man trägt. Meinen Kleidungsstil habe ich mit Hilfe von Freunden und Bekannten entwickelt, die gesagt haben: "Mensch, Sabine, du kannst nicht so herumlaufen." Ich trage keine sehr bunten Sachen, obwohl ich bunte Farben wahnsinnig gerne mag. Es ist schön, sich ab und zu schick anzuziehen, mal für einen Abend. Ganz ehrlich, in Jeans und T-Shirt fühl ich mich aber einfach bis heute noch am wohlsten. Ich glaub, das wird sich auch nicht ändern.
Mein Musikstil: Im Urwald hatten wir sehr wenig Musik. Wir haben klassische Musik gehört. ich bin nicht jemand, die nur in eine Richtung geht. Für mich kommt es auf die Situation an und darauf, wo ich gerade bin. Ich mag nach wie vor klassische Musik sehr gern. Wenn ich auf einem klassischen Konzert bin, finde ich das absolut fantastisch. Wenn ich in einer Bar bin, dann läuft natürlich 'ne andere Art Musik. Im "New Orleans" war ich mal, da haben sie Blues gespielt. Techno ist nicht mein Ding, oder Hardrock auch nicht. Aber ansonsten bin ich offen für alle Musikrichtungen.

Welche Gesellschaftsformen sind Dir wichtig?

mein Ex-Mann, mit dem ich in der Schweiz gelebt habe, war sehr wohlhabend, und der hat sich in höheren Gesellschaftsschichten bewegt. Dadurch habe ich gelernt, mich jeder Situation anzupassen. Ich kann mich mit einem Bettler genauso gut unterhalten wie mit einem Adeligen. Ich hab da nie 'nen Unterschied gemacht, aber ich hab mich auch nie einer Gruppe zugehörig gefühlt. Ich mach mir eigentlich aus Gesellschaftsformen überhaupt nichts. Für mich ist einfach wichtig, wie der Mensch sich verhält, ob er von der Persönlichkeit her ehrlich und in Ordnung für mich ist.

Wie wichtig sind Dir verlässliche freunde?

Ich finde verläsliche Freunde sehr, sehr wichtig. Ich glaube, dass in der heutigen Zeit, besonders weil die Familien klein geworden sind, ein guter Freundeskreis sehr, sehr wichtig ist, um hier zu überleben, nicht so sehr körperlich, sondernpsychisch. Für das Wohltun des Menschen ist eine starke soziale Struktur von enormer Wichtigkeit. Das wird häufig sehr stark unterschätzt.

Was erwartest du von deinen Freunden?

Ich habe keine bestimmten Erwartungen an meine Freunde. Freundschaft war für mich immer eine absolute Selbstverständlichkeit. Ich erkläre das am besten über die beiden Kulturen: Bei den Fayu ist Freundschaft das wichtigste überhaupt. Die Freundschaft ist dort wichtiger als die Ehe, weil der freundeskreis, den man innerhalb der Gruppe oder des Stammes aufbaut, etwas ist, was ein Leben lang bleibt. Und von den Freunden, (also immer die Mädchen unter den Mädchen und die Jungs unter den Jungs, gemischt war das nie) holte Man sich Trost, Bestätigung, Liebe und Unterstützung. Man hat einander beschützt. Man war füreinander da. Was auch immer passiert ist, man konnte sich immer 100%ig auf seine Freunde verlassen. Man musste Freundschaften dort aber auch nicht pflegen so wie hier, weil man sowieso zusammen lebte. Das ganze System, das wir hier haben, musste ich ja auch erst kennenlernen, zum Beispiel, Dass man Leute anrufen muss, bevor man sie besucht. Deshalb war das für mich, als ich hier her kam, selbstverständlich, wenn mir jemand sagte, ich bin deine Freundin. Weil ich die Kultur hier nicht kannte, war ich dann sehr, sehr oft enttäuscht. Und irgendwann hab ich mich auch viele Jahre zurückgezogen, hatte auch fast keine Freunde, weil ich einfach nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Als ich dann später begriffen habe, wie man hier Freundschaften pflegt oder was Freundschaft hier überhaupt bedeutet, habe ich angefangen, mir einen sozialen Kreis aufzubauen, und ich habe erkannt, wie wertvoll dieser Freundeskreis für mich ist, eigentlich genauso wichtig wie im Urwald. Im Urwald war ein Freundeskreis da, um zu überleben, und hier, würde ich sagen, ist es genauso.

Was kennzeichnet für dich eine Freundschaft?

Dass man füreinander da ist in guten wie in schlechten Zeiten. Ein Freund ist für mich jemand, wo ich weiß, ich kann um 3.00 Uhr morgens anrufen, wenn's mir schlecht geht, und dieser Mensch ist da für mich, oder wenn ich Hilfe brauche. Man erkennt wirkliche Freunde, wenn man eine schwierige Zeit durchmacht. Ich hab 'ne Freundin, eine meiner besten Freundinnen, sie lebt in Canada, wir telefonieren vielleicht zweimal im Jahr, ich weiß aber, dass, was immer passiert, wenn ich sie anrufen würde, sie wäre sofort da. Das ist für mich Freundschaft. Freundschaft ist nicht so unbedingt, dass mich jemand täglich besucht oder täglich anruft. Für mich ist Freundschaft zu wissen, dass, wenn ich Probleme habe, oder wenn ich traurig bin, dass Menschen alles stehen und liegen lassen und sofort kommen würden. Und ich glaube, deshalb lege ich da auch mehr wert drauf als darauf, wenn jemand Zeit hätte. Ich bin ja auch jemand, die nicht immer anruft. Ich bin ja auch jemand zwischen Arbeit und Kindern und Sozialprojekten. Ich hab auch nicht so viel Zeit. Mir ist aber bewusst geworden, dass ich mir für Freunde Zeit nehmen muss.

Hast du Verlustängste?

Ich habe keine Verlustängste, was das Materielle angeht.
Ich hab Verlustängste, die vielleicht mehr mit Menschen zu tun haben, vielleicht weil ich so viele Menschen verloren habe. Ich weiß aber nicht genau, wie ich ihnen begegne, und ich weiß auch nicht genau, was es ist. Ich weiß nur, es ist da. Ich merke einfach, dass ich viel vorsichtiger geworden bin. Ich glaube, das hat auch mit dem Heilungsprozess zu tun. Ich lasse Menschen ganz, ganz schwer an mich ran. Ich würde sagen, ich lasse Frauen viel schneller an mich ran als Männer. Ich glaube, Männer lasse ich generell nicht mehr an mich ran. Nicht weil ich irgendwie verbittert oder wütend bin, sondern einfach, weil ich enttäuscht worden bin, Ich habe eine bestimmte Sicherheitszone um mich aufgebaut, weil ich meinen Kindern gegenüber eine Verantwortung trage. Ich kann es mir nicht leisten, irgendwie jetzt zusammenzubrechen, ich kann es mir nicht leisten, mich in meinen Gefühlen zu verlieren. Ich weiß, wenn ich jemanden sehr nah an mich dran lassen würde, besonders einen Mann, und der würde mich verletzen, oder es passiert etwas schlimmes, dann bin ich traurig, dann bin ich deprimiert, dann bin ich nicht mehr motiviert, und das kann ich mir momentan einfach nicht leisten. Ich bin von einem ganz extremen Herzensmensch zu einem ganz extremen Kopfmensch geworden. Ich bin hier viel praktisch denkender geworden. Diese Extreme haben auch mit meiner Persönlichkeit ein bisschen zu tun.
Ich bin früher so durch das Leben gegangen und habe nie so richtig über etwas nachgedacht. Meine Mutter hat immer gesagt: "Sabine, du springst und dann denkst du erst. Lerne zu denken, bevor du springst." Durch all das, was mir in den letzten Jahren widerfahren ist, habe ich gelernt, ganz bewusst mehr mit dem Kopf zu handeln. Wenn ich in Papua bin, dann bin ich absolut Herzensmensch und ganz extrem in dem, was ich fühle und wie ich im Moment empfinde. Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist. Ich hab einfach gemerkt, dass es mir hier besser geht, dass ich stabiler bin, seit ich so agiere. Ich bin ruhiger, weil ich nicht mehr so oft in Situationen hinein gerate, in denen ich verletzt oder enttäuscht werde oder in denen ich Misserfolge habe.

Wie gehst du mittlerweilen mit Abschied um?

Für mich ist ein Abschied kein Abschied, egal wo. Weil die Welt ist klein geworden durch die Möglichkeit zu fliegen und durch diese ganzen Möglichkeiten jetzt mit E-Mail, Telefon und Handy. Für mich ist Abschied nichts ungewöhnliches. Wenn ich jemand sehe und mit diesen Menschen eine tolle Zeit hatte, gehe ich weg und bin nicht traurig, weil ich weiß, dass ich die Menschen auch wiedersehen kann, wenn ich möchte. Nur wenn ich mich von meinen Kindern verabschiede, bin ich immer ganz traurig. Ich hab in meinem Leben Abschied nehmen müssen von Menschen, die ich sehr geliebt habe, die ich entweder durch den Tod verloren habe oder durch andere Umstände. Irgendwann mal gab's so einen Push, und danach hab ich nie wieder geweint und hab danach auch nie wieder Abschiedstraurigkeit empfunden.

Was bedeutet für dich Glück?

Menschen um mich zu haben, die sich lieben, die zufrieden sind, keinen Streit zu haben, eine schöne Athmosphäre. Das ist mir ganz ganz wichtig. Wenn ich unterwegs bin und dann nach hause komme, denke ich: Ach, ist das schön. Das ist für mich Glück.

Wenn die Kinder pubertieren, gibt es dann manchmal Streit?

Ich habe zwei Teenager, und ich hab mit meiner Tochter vielleicht zweimal gestritten. Wir streiten uns eigentlich nie. Ich hab einfach geniale Kinder. Mein siebzehnjähriger Sohn ist angenehm und unkompliziert. Er ist in der Schweiz in einem Gymnasium, und wenn er hier ist, dann ist er auch ganz glücklich. Ich hab da eigentlich nie Probleme gehabt.

Was verletzt dich?

Was für mich bis heute immer hart ist, und das wird sich auch nie ändern, ist, wenn ich glaube, eine Freundin zu haben oder einen Freund, wenn ich glaube, eine gute Beziehung zu einem Menschen zu haben, und dieser Mensch erzählt Sachen weiter, die nur für ihn bestimmt waren. Für mich ist Diskretion ganz ganz oben. Die psychische Treue ist für mich ganz, ganz wichtig. Wenn ich mit jemandem zusammen bin, dann ist ein bestimmtes Vertrauen da. Ein Vertrauen, wo ich einen Menschen niemals anderen gegenüber schlecht machen würde. Leute, die einen reinlegen. Das ist für mich ganz hart. Und das ist mir mehrmals in den letzten Jahren passiert, und da hab ich sehr, sehr zu kämpfen gehabt, bis ich darüber hinweg war.

Kannst Du Dich vor Menschen schützen, die Dich als Attraktion sehen und sich auf Deine Kosten wichtig machen oder sich vielleicht sogar an Dir bereichern wollen, oder bist du vor solchen Menschen verschont geblieben?

Nein, verschont geblieben bin ich nicht, aber ich nehm's denen auch nicht übel. Es sind so zwei drei Leute, wo ich heute sage, es hätte nicht passieren dürfen. Ich finde dieses Schuld abschieben auf andere Leute nicht richtig, weil letztendlich hat man's ja selber zugelassen. Vielleicht ist das eine sehr harte Ansicht, aber ich sage mir, ich bin erwachsen, und letztendlich bin ich für meine Entscheidungen und die daraus folgenden Konsequenzen verantwortlich. Natürlich kann ich sagen, der Mensch hätte das nicht machen sollen oder: Das ist nicht fair. Ich spüre auch schnell, wer sich an mir bereichern will.

Ist es dir wichtig, Dinge für dich zu behalten?

Ich behalte einerseits viel für mich, aber natürlich hab ich andererseits durch meine Bücher sehr viel von mir preisgegeben. Aber wenn's um jemand anderen geht, um Freunde, da bin ich sehr diskret.

Hast du für dich herausgefunden, warum das Verleugnen deiner Kindheit im Dschungel entstanden ist?

Dafür gab es zwei Gründe. Der eine Grund war, dass ich ganz früh in Situationen geraten bin, wo es Menschen gab, die mich sehr schlecht behandelt haben, weil ich ein bestimmtes Wissen nicht hatte, und die dann auch meine Kindheit sehr negativ dargestellt haben. Das gab mir so ein schlechtes Selbstwertgefühl, dass ich alles, was mit mir zu tun hatte, beiseite geschoben habe, und das war natürlich auch meine Kindheit. Dabei hab ich leider wahrscheinlich nur die falschen Menschen erwischt. Als ich dann anfing, meine Herkunft zu verleugnen und gesagt habe, ich bin in Deutschland groß geworden, sind die Menschen anders mit mir umgegangen. Von unserer Genetik her sind wir dazu gemacht, uns in Gruppen zu bewegen und uns anzupassen. Das ist auch bei den Fayu so. Wenn du anders bist als alle anderen, dann gehörst du nicht zur gemeinschaft. Und nicht zur Gemeinschaft zu gehören heißt auch, nicht zu überleben. Deshalb passen sich die Leute alle an. Es gibt dort nicht so ausbrecher wie hier. Es gibt dort keine Leute, die anders sind. Wir haben hier viel mehr Möglichkeiten, uns zu entfalten als dort. Weil wenn du dort in einen Stamm reingeboren wirst, dann bleibst du in diesem Stamm dein Leben lang. Du hast nicht viele Möglichkeiten, was großes zu machen, weil du wirst in eine bestimmte Position reingeboren, und du bleibst in dieser Position bis du stirbst. Das ist einerseits eine Sicherheit, andererseits natürlich gibt's dort keine Privatsphäre oder auch keine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Wir hier in Europa reden doch alle immer ganz großspurig darüber, dass wir doch individuen sind, und jeder ist irgendwie anders, und eigentlich versuchen doch auch viele Leute, umso jünger sie sind, individuell zu sein und hervorzustechen. Warum hat sich das dann bei dir so geäußert, dass du dir gesagt hast: Die passen sich alle an, also muss ich das jetzt auch tun?

Wir sagen, wir sind individuell, sind es aber nicht. Wenn du anders bist in dieser Gesellschaft, bist du nicht akzeptiert. Wenn du in Papua blind wärst, wären die Menschen viel verständnisvoller. Ich weiß, es gibt dort Blinde, aber nicht so viele. Es käme drauf an, wie die Eltern gewesen wären und darauf, wie gut man sich bewegen kann. Als Frau hätte man dort wahrscheinlich mehr Chancen zu überleben als als Mann. Eine Frau muss dort ja nur sammeln, der Mann muss jagen. Aber das ist auch von Stamm zu Stamm verschieden.
Ich mein, das sehen wir doch: wenn jemand punkig angezogen ist, dann kommt er nie in eine andere Gesellschaftsschicht rein. Der wird nicht akzeptiert. Der Mensch ist ein Gruppenmensch, und ich glaube, das ist auch der Grund, warum es hier so viele psychische Probleme gibt. Dafür gibt‘s meiner Meinungnach zwei gründe: Der erste ist, weil wir keine Zeit mehr haben, es ist für unser Gehirn sehr schwer, das alles zu verarbeiten, und der zweite Grund ist halt eben, weil viele Menschen vereinsamen. Aber alles hat, wie gesagt, seine Vor- und Nachteile.

Wie ist es dir gelungen, deine Identität und deinen Platz hier in Europa zu finden und nun das Leben zu leben, das du leben willst?

Ich glaube, was mir natürlich am meisten Stärke gibt, sind die kinder, die aber auch der Grund dafür sind, warum ich damals hier geblieben bin, also man kann beides sagen. Ich glaub, ich hab einfach meine Identität wiedergefunden. Ich hab einfach gelernt, das hat auch mit meinem Alter zu tun, mich so zu akzeptieren, wie ich bin und das zu machen, was ich machen will. Ich will mich nicht mehr irgendwo einzwängen lassen. Ich bin innerlich sehr, sehr stark geworden. Ich hab hier eine Möglichkeit, Sachen zu machen, die vielleicht andere nicht machen können, und mir geht es ja wirklich gut, Ich glaub, die Bücher haben mir da sehr geholfen. Die waren so der Anstoß zu allem. Ja, ich hänge sehr stark an meinem Sozialkreis jetzt, die sind mir ganz wichtig, meine Projekte, die ich mache, meine Sozialprojekte sind mir sehr wichtig geworden, also daher nehme ich sehr viel Kraft, und dadurch hab ich hier einen sehr schönen Platz gefunden.

Welche Sozialprojekte machst du?

Ich bin Botschafterin für ein Projekt von world vision, das sich ganz stark auf schwangere Frauen und Kleinkinder konzentriert, dann ist noch ein ganz schönes Projekt in Bali, eine Frau, die nimmt Straßenkinder auf, und es gibt noch andere Projekte, die ich jetzt so langsam anfange, mit denen ich langsam zu tun habe, sehr stark Frauenprojekte. Frauenprojekte interessieren mich nach wie vor.

Wenn Du irgendwann entscheiden würdest, mit dem Schreiben aufzuhören, welchen Beruf würdest Du dann ausüben wollen?

Schreiben werde ich, glaub ich, nicht mein ganzes Leben. Ich seh mich nicht als Schriftstellerin. Ich bin natürlich Autorin, ich bin Schriftstellerin und so gemeldet, aber ich bin eher eine Geschichtenerzählerin. Ich mein, meine Hauptsprache ist sowieso nicht deutsch, und ich werde nie irgendwelche hochwertigen Bücher schreiben. Wenn ich was schreibe, wird es immer mit Geschichten zu tun haben. Und wenn ich einen anderen Beruf machen könnte, was mich immer schon interessiert hat, schon als Kind, das ist schon eine Art von Journalismus. Es interessiert mich, einfach Menschen was rüber zu bringen. Momentan arbeiten wir an einigen TV-Projekten, also Dokumentar-Projekten, und das war schon als kind meine Leidenschaft. Ich wollte schon immer zum Beispiel für "National Geographics" arbeiten oder Dokumentarfilme machen, das sind so Sachen, die ich viele Jahre schon machen wollte. Ich wollte immer eine Abenteuerin sein, eine Forscherin sein. Da bin ich momentan dran. Ob es klappen wird, weiß ich nicht, aber das wäre einfach mein absoluter Traum, sowas zu machen.

Was machst du gerne künstlerisch oder sportlich?

Ich hab immer gerne gemalt. Ich bin natürlich da nicht so begabt, aber ich empfand es immer sehr entspannend. Ich spiele leider kein Instrument. Ich hab jahrelang Trompete gespielt, als ich jünger war, aber das hab ich schon seit Jahren nicht mehr gemacht, und, ja, künstlerisch, ich kann weder gut singen noch kann ich ein Instrument spielen. Ich höre gern Musik, Bücher lese ich halt gern, ich komme aber nicht oft dazu. Sportlich, ja, ich hoffe, dass ich es jetzt mal regelmäßig hinkriege, Sport zu machen. Ich jogge sehr gerne auf dem Laufband.

Wie gehen deine Kinder damit um, dass du im Dschungel aufgewachsen bist?

Also meine Kinder sehen das als selbstverständlich. Die sind damit aufgewachsen. Von allen vier Kindern, ich hab zwei Mädchen, zwei Jungs, würde ich sagen, dass mein jüngstes Kind, die Vanessa, am meisten Interesse daran hat. Sie ist mir aber auch von allen Kindern am ähnlichsten. Wenn ich sie so beobachte, wie sie redet oder wie sie sich bewegt, sie ist, sag ich mal, ein absolutes Dupplikat von mir, wie ich in ihrem Alter war, und sie ist so'n Kind, die wär auch, wie ich, glücklich gewesen, wenn sie im Urwald groß geworden wäre. Die ist ein absolut kleines Dschungelkind, wächst aber halt in Europa auf.

Was aus deiner Kindheit ist so schön für dich, dass du es deinen Kindern für innere Werte mitgeben willst?

Man gibt ja sehr viel unbewusst an seine Kinder weiter, ds merke ich auch bei vielen anderen Leuten, dass die unbewusst Sachen an ihre kinder weiter geben, und ich weiß, dass ich das auch mache und es selbst nicht bemerke. Worauf ich aber versuche, sehr viel Wert zu legen, und je älter sie werden, umso wichtiger wird mir das auch, ihnen halt eben Kulturverständnis beizubringen und ihnen zu sagen, auch wenn Menschen anders sind, heißt das nicht, dass die schlechter sind als wir. Im Gegenteil. Man kann auch von diesen Menschen viel lernen. Ich versuche meine Kinder auch auf Reisen mitzunehmen, und die sind jetzt auch alt genug, dass ich sie auch zum Beispiel mal nach Afrika mitnehmen kann oder zu einem der Sozialprojekte. Meine ältere Tochter interessiert sich sehr für soziale Sachen, und ich werde sie auch mal auf eine Reise mitnehmen, damit sie das auch mal miterlebt. Das finde ich ganz wichtig, dass den Kindern bewusst wird, wie gut es uns hier in Europa geht. Darauf lege ich sehr großen Wert. Das kann man denen aber nicht erklären. Man kann denen nicht sagen, in Afrika gibt's hunderte von Kindern, die verhungern. Das ist für sie so weit weg. Aber sie mal mitzunehmen, das macht ihnen das bewusst. Ich finde, das wäre eine tolle Sache, wenn in Deutschland die Familien das machen würden, einmal mit der Familie anstatt in den Sommerferien am Strand zu liegen, dass die mal gemeinsam ein Sozialprojekt besuchen, mithelfen. Es gibt so viele Projekte, wo man hingehen kann, wo man vielleicht aushelfen kann, und ich finde das für Kinder ganz ganz wichtig.

Bringst du Deinen Kindern all deine Sprachen bei?

Die Sprachen bringe ich den Kindern nicht alle bei. Wir reden englisch, deutsch und französisch zu Hause. Dabei kommt es drauf an, mit welchem Kind ich rede. Die Kinder reden untereinander englisch, aber mit meinen beiden kleinen Kindern rede ich hauptsächlich deutsch.

Was machen deine Geschwister beruflich?

Meine schwester hat zwei Kinder, die ist eigentlich Mutter, die ist aber auch Künstlerin, sie malt Bilder und fotografiert, und sie schreibt auch sehr gut, sie schreibt ab und zu für Zeitungen und Zeitschriften in Amerika, die lebt ja in Amerika mit ihren zwei Kindern, und mein Bruder und seine Frau die sind gerade nach Deutschland gezogen, und der sucht momentan noch eine Arbeit.
Meine Geschwister stehen nicht gern in der Öffentlichkeit, die sind zu schüchtern. Also mein Bruder vielleicht, aber meine Schwester überhaupt nicht.

Welche Eigenschaften hat dein Vater von den Fayu übernommen?

Uff! Ganz viele. Ja, er ist ein sehr freundlicher Mensch. Er ist sehr Fayu geworden. Aber wenn ich da ins Detail gehen würde, das würde zu lange dauern. Er hat's dort sehr, sehr geliebt. Ich glaub, der hat auch sehr viel Heimweh.

Wie gehen deine Eltern mit ihrem jetzigen Leben in deutschland um?

Es ist natürlich schwer für sie. Die haben Deutschland verlassen in den 60er Jahren und sind 2006 zurück gekehrt. Sie haben natürlich die meiste Zeit ihres Erwachsenenlebens außerhalb von Deutschland verbracht, was dazu geführt hat, dass zum Beispiel ihr Freundeskreis nicht mehr da war. Die vielen Entwicklungen, die Deutschland in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, das sind ja riesige Entwicklungssprünge, die haben sie ja auch nicht miterlebt. Für meine Mutter war's einfacher, für meinen Vater war's viel schwieriger, sich hier wieder einzuleben. Das haben sie natürlich stückweise gemacht. Es ist nicht so, dass die 100% im Urwald gelebt haben und dann 100% nach Deutschland kamen, besonders wegen meiner Großmutter war meine Mutter sehr oft hier in Deutschland. Also war es schon eine sehr langsame Transaktion von Papua nach hier hin, aber dass die sich jemals 100%ig hier zurechtfinden werden, das glaube ich nicht.